Fotoblog Konfetti im Kopf: Was bleibt
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Konfetti im Kopf (11)

Was bleibt

Alfred Redmann neben der Modelleisenbahn, in die er über Jahre viel Zeit und Liebe investiert hatte.

Alfred Redmann neben der Modelleisenbahn, in die er über Jahre viel Zeit und Liebe investiert hatte. Foto Michael Hagedorn

Michael Hagedorn lernte Alfred Redmann und seine Frau während eines betreuten Urlaubs der Alzheimer Angehörigen-Initiative kennen und wurde bald darauf zu ihnen nach Hause eingeladen. Dort begegnete er einem Mann, für den vieles von dem, was früher wichtig war, an Bedeutung verlor, während anderes, vorher Übersehenes, umso präsenter wurde.

Es gibt Dinge, die einem Menschen einst über alles wichtig waren und die im Lauf einer Demenz leise in den Hintergrund treten. Andere, vorher fast übersehene Dinge leuchten dafür auf einmal ganz neu auf. Das habe ich bei Alfred Redmann erlebt, den ich zusammen mit seiner Frau während eines betreuten Urlaubs der Alzheimer Angehörigen-Initiative kennenlernte und beide luden mich bald darauf so herzlich zu sich nach Hause ein.

Ich traf die beiden in ihrer Wohnung, die in einem dieser gesichtslosen Hochhauskomplexe in Berlin lag. Es war Mai und zwischen den Betontürmen blühten überraschend große Fliederbüsche. Wir gingen gemeinsam spazieren und Alfred hatte große Freude daran, immer wieder tief den stark duftenden Blüten zuzuatmen und den berauschenden Duft einzuatmen. Für Momente schien er darin ganz zu versinken.

Über Michael Hagedorn und »Konfetti im Kopf«

Michael Hagedorn begleitet seit vielen Jahren Menschen mit Demenz und dokumentiert ihre Lebenswelt in Bildern und Geschichten. In seinem Blog »Konfetti im Kopf« zeigt er, wie Nähe, Humor und echtes Hinsehen Verbindung schaffen. Sein Ansatz: Menschen würdevoll sichtbar machen – jenseits von Klischees.

Zurück in der Wohnung fiel mein Blick auf eine große, liebevoll gebaute Modelleisenbahnanlage, die in einem Nebenraum stand und dort fast den gesamten Platz einnahm. Ein paar der kleinen Miniaturhäuser, Masten und Bäume waren umgefallen und es war offensichtlich, dass die Ordnung, die hier einst so wichtig gewesen war, durcheinandergeraten war.

»Die Modellbahn hat ihm viel bedeutet«, sagte mir seine Frau. »Er hat über Jahre viel Zeit und Liebe in sie investiert.« Im Laufe seiner zunehmenden Demenz hatte sich das verändert.

Es berührte mich, als ich Alfred neben seiner Eisenbahnanlage sitzen sah. Sein Blick schien durch die Dinge hindurchzugehen, die ihm früher so wichtig gewesen waren, und in seinen Augen glaubte ich Fragen zu erkennen, was das alles noch mit ihm zu tun habe. Ein Hauch von Wehmut lag darin.

Seine Modellbahn, mit der er sich nicht mehr auskannte, wurde für mich zu einem Sinnbild dafür, wie er sich zunehmend nicht mehr allein in unserer komplexen Welt zurechtfand. Vieles von dem, was früher wichtig gewesen war, verlor für ihn an Bedeutung. Dafür traten andere, vorher oft übersehene Dinge stärker in den Vordergrund. Wie der Duft des Flieders vor der Tür, der für einen Moment alles Übrige verschwinden ließ. Und die tiefe Liebe seiner Frau hüllte alles in einen Mantel der Fürsorge und des Vertrauens.

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»Lange fühlte ich mich mit der Erkrankung meiner Mama allein. Auf den Demenz Meets erlebte ich ein besonderes Gemeinschaftsgefühl. Diese Treffen sind für mich wichtig, weil ich dadurch erlebe, dass ich nicht allein bin.«

Peggy Elfmann, Angehörige und Autorin

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