demenzjournal: Lieber Jo, dein Buch »Ich denk nicht dran« ist ein Bestseller geworden. Wie kam es dazu, dass du über deinen persönlichen Weg mit Demenz geschrieben hast?
Jo Failer: Ich wollte diese unsichtbare Krankheit sichtbar machen. Meine Mutter hatte Alzheimer, sie ist vor sechs Jahren gestorben. Ich habe sie begleitet, aber die Krankheit bis zum Schluss nie wirklich verstanden und auch nicht akzeptiert.
Dann bekam ich plötzlich selbst diese Diagnose. Ich dachte: Jetzt muss ich mich informieren. Es gibt viele Berichte – im Fernsehen, in Podcasts, Zeitungen und sozialen Medien. Aber mir fehlte immer die Tiefe. Ich wollte wissen: Wie sieht das alltägliche Leben mit Alzheimer wirklich aus? Und wie fühlt es sich an, wenn da plötzlich nichts ist?
Wie fühlt es sich an, mit Alzheimer zu leben?
Ich kann es nur für den jeweiligen Moment beschreiben. Jetzt fühle ich mich gut. Aber ich kann nicht sagen, dass es mir grundsätzlich gut geht. Alzheimer ist eine unsichtbare Krankheit. Sie ist plötzlich da. Und mit ihr kommen Momente, in denen du gar nicht weißt, was du tun sollst. Ich stehe morgens auf und habe keine Ahnung, welcher Tag ist. Früher bin ich aufgewacht und wusste, was zu tun ist. Jetzt rattert oft gar nichts mehr im Kopf.
Es gibt auch mit Alzheimer schöne Zeiten. Aber diese Momente der Leere machen mir Angst.
Demenz ist wie eine Glühbirne mit Wackelkontakt. Das nervt total. Mal ist sie hell, mal ist sie dunkel. So ist das Leben mit Alzheimer. Es gibt schöne Momente. Und es gibt Momente, in denen gar nichts geht. Du spürst am eigenen Leib, dass vieles nicht mehr so ist wie früher.
Hier kannst du das Gespräch von Peggy und Jo auf Video schauen:
Wie ist es, wenn du aufwachst und nicht weißt, welcher Tag ist? Macht dir das Angst?
Ja, total. Immer. Es gibt auch mit Alzheimer schöne Zeiten. Aber diese Momente der Leere machen mir Angst. Du spürst nichts und fühlst dich verloren. Das zermürbt. Dieses Gefühl ist nicht immer da, aber es kommt häufiger. Die Krankheit schleicht so dahin. In diesen Momenten geht es mir nicht gut.
Das Gute ist: Wenn ich mich wieder gefangen habe und richtig da bin, denke ich nicht mehr darüber nach. Auch nicht über die Zukunft. Dann bin ich einfach da und vergesse dieses Nichts.
Gibt es etwas, das dir hilft, aus dieser Leere herauszukommen?
In diesem Moment denke ich nicht nach. Ich tue die Dinge einfach. Ich gehe zum Beispiel wie gewohnt in die Küche und mache Kaffee. Irgendwann geht der Lichtschalter wieder an. Ich kann diese Leere nicht beeinflussen. Dafür habe ich keine Strategie. Irgendwann bin ich einfach wieder da.