Dok-Film: Wenn die Alzheimer-Expertin selbst erkrankt
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Dok-Film

Wenn die Expertin selbst Alzheimer bekommt

Wenn die Erinnerung verblasst_Birgitta Martensson-2

Im Film stellt Birgitta Martensson auch die Frage nach der Selbstbestimmung, die ihr nach und nach entgleitet. Still aus dem Film

Fünfzehn Jahre lang leitete Birgitta Martensson Alzheimer Schweiz. Sie kannte die Krankheit, ihre Folgen und die Ängste, die sie auslöst. Kurz vor ihrer Pensionierung bemerkte sie erste Veränderungen bei sich selbst. Mit 70 Jahren erhielt sie die Diagnose Alzheimer. Der Dokumentarfilm »Wenn die Erinnerung verblasst« begleitet sie fast drei Jahre lang.

Es ist eine bittere Ironie. Birgitta Martensson hatte ihr Berufsleben dem Thema Alzheimer gewidmet. Sie baute Alzheimer Schweiz mit auf und führte die Organisation fünfzehn Jahre lang. Sie wusste, was eine Demenz bedeutet. Dann bemerkte sie bei sich selbst erste Anzeichen. Noch vor ihrer Pensionierung spürte sie, dass etwas nicht stimmte. Später kam die Diagnose: Alzheimer. Aus der Expertin wurde eine Betroffene.

Doch Martensson zieht sich nicht zurück. Sie spricht offen über ihre Krankheit. Bei Veranstaltungen, in Vorträgen oder bei Begegnungen sagt sie ohne Umschweife: »Ich habe Alzheimer.« Seit mehr als elf Jahren lebt sie inzwischen mit der Krankheit. Und sie legt Wert auf die Feststellung, dass sie ein gutes Leben führt.

Drei Jahre mit der Kamera

Die Regisseurinnen Marianne Pletscher und Martina Rieder haben Martensson fast drei Jahre lang begleitet. Ihr Dokumentarfilm »Wenn die Erinnerung verblasst« zeigt keine Alzheimer-Expertin, die ihre eigene Krankheit erklärt. Er zeigt eine Frau im Alltag.

Martensson kocht, kauft ein, versucht ein Metroticket mit einer App zu lösen. Namen verschwinden, Dinge werden verlegt, Termine vergessen. Was früher nebenbei ging, braucht plötzlich Zeit und Konzentration.

Lange begegnet sie diesen Veränderungen mit Humor. Doch der Film zeigt auch, wie die Krankheit fortschreitet. Zweifel und Erschöpfung kommen hinzu. Einmal sitzt Martensson in ihrem Wohnzimmer und sagt: »Alzheimer ist wirklich nicht lustig. Und was mache ich damit?«

Ab Oktober 2026 in Schweizer Kinos

VORPREMIEREN in Anwesenheit der Regisseurinnen
• Zürich, Le Paris – Mittwoch, 7. Oktober, 18:15 Uhr
• Basel Kult.Kino – Monag 12. Oktober um 18:00 Uhr
• Liestal Kino Sputnik, Dienstag 13. Oktober Zeit TBC
• Bern, Kino Rex – Mittwoch, 14. Oktober um 18:15 Uhr
• St. Gallen, Kinok – Donnerstag, 15. Oktober, Zeit TBC
• Luzern, Bourbaki – Sonntag, 18. Oktober um 11 Uhr

Wer entscheidet über mein Leben?

Martensson lebt allein in Lausanne und hat keine Kinder. Ihre Unabhängigkeit ist ihr wichtig. Ein Pflegeheim kommt für sie nicht infrage. Ihre Freundin Christiane Kühne begleitet sie zu Arztterminen, hilft bei administrativen Aufgaben und übernimmt zunehmend Verantwortung.

Damit stellt der Film eine Frage, die weit über Martenssons Geschichte hinausgeht: Was bedeutet Selbstbestimmung, wenn die eigenen Fähigkeiten nachlassen?

Diese Frage stellt sich auch beim Filmen selbst. Zu Beginn ist Martensson sofort einverstanden mit dem Projekt. »C’est pour la cause«, sagt sie – für die Sache. Doch während der fast dreijährigen Dreharbeiten verändert sich ihre Fähigkeit, Situationen zu überblicken. Für die Filmemacherinnen entsteht damit eine heikle Frage: Wie lange darf die Kamera bleiben? Wer trägt die Verantwortung für die Bilder, wenn die Protagonistin dies zunehmend weniger kann?

Eine ungewöhnliche Geschichte

»Wenn die Erinnerung verblasst« erzählt von Alzheimer. Vor allem aber erzählt der Film von einer Frau, die die Krankheit aus zwei Perspektiven kennt wie kaum jemand sonst: erst als Geschäftsführerin einer Alzheimer-Organisation, dann als Mensch mit Alzheimer.

Das macht Martenssons Geschichte so außergewöhnlich. Wissen schützt nicht vor der Krankheit. Aber Wissen, Erfahrung und eine klare Haltung prägen, wie sie ihr begegnet. Der Dokumentarfilm von Marianne Pletscher und Martina Rieder ist 80 Minuten lang und kommt im Verleih von Outside the Box in die Schweizer Kinos (Text PR/dw).