Eine Frau möchte am Abend in die Angehörigengruppe gehen und singen. Ihren Mann kann sie nicht allein lassen. Also installiert sie Kameras in der Wohnung. Auf dem Handy schaut sie nach: sitzt er auf dem Sofa? Läuft er herum? Ist alles in Ordnung?
Solche Geschichten hörten Cristina De Biasio und Ulla Ahmann 2015 in einer Gruppe für Angehörige jüngerer Menschen mit Demenz. Die betreuenden Partnerinnen und Partner waren erschöpft. Viele Menschen mit Demenz wollten die bestehenden Tagesstrukturen nicht nutzen. Mit fünfzig in einer Gruppe zu sitzen, die auf hochbetagte Menschen ausgerichtet ist, passt einfach nicht.
De Biasio und Ahmann kannten das Problem auch aus ihrer Arbeit in Alters- und Pflegeheimen. Eine geplante Tagesbetreuung für Menschen mit Demenz war dort aus finanziellen Gründen gescheitert. Beide kündigten. Ihr Schluss war einfach: »Wir können nicht immer meckern, dass es nichts gibt. Wir müssen es selbst machen.«
Nicht mit der Tagesstruktur anfangen
Was danach geschah, erklärt einen Teil des Erfolgs von mosa!k. Die Gründerinnen eröffneten nicht einfach eine Tagesstruktur und warteten auf Gäste. Sie bauten zuerst Kontakte auf. Im Februar 2016 gründeten sie mit De Biasios Partner Emanuel Marinello den Verein mosa!k. De Biasio und Ahmann arbeiteten zunächst jeden Donnerstag unbezahlt für das Projekt. Sie entwickelten ein Konzept, suchten Partner und Geld und sorgten früh um einen professionellen Auftritt. Ein Pilot mit »Aufgeweckten Kunstgeschichten« brachte erste Erfahrungen und Öffentlichkeit.