Gerd Kruse (72) war viele Jahre Gruppenleiter in einer Großbäckerei. Zuverlässig, klar, geachtet im Team. Schon vor der Pensionierung fiel auf, dass er Rezepte verwechselte, abwesend wirkte und manchmal wirr sprach. Zunächst dachte man an Stress oder Überlastung. Erst Jahre später wurde die Ursache klar: Gerd lebt mit einer Lewy-Body-Demenz.
Heute schwankt seine Aufmerksamkeit stark. Er sieht Dinge, die nicht da sind, gerät dadurch in Panik und schläft schlecht. Er geht unsicher, wacht nachts immer wieder auf und kann nicht mehr allein sein. Gerd braucht praktisch rund um die Uhr Betreuung.
Hanna Kruse (77) ist diplomierte Pflegefachfrau – und Gerds Ehefrau. Sie kümmert sich liebevoll um ihn, Tag und Nacht. Sie kennt die Abläufe, weiß, was zu tun ist. Doch genau das wird zur Falle. Hanna übernimmt alles selbst. Sie lässt kaum Hilfe zu, kontrolliert viel und gönnt sich keine Pausen.
Mit der Zeit wächst die Erschöpfung. Hanna wird krank, wirkt angespannt, die Wohnung zunehmend unordentlich. Sie schläft schlecht, ist ständig wachsam. Tochter Tina (40) sorgt sich seit Langem. Immer wieder versucht sie, ihre Mutter von Unterstützung zu überzeugen. Inzwischen kommt an zwei Vormittagen pro Woche eine ambulante Pflegerin. Doch selbst dann bleibt Hanna angespannt, kontrollierend – und kaum entlastet.