Was nach dem Eintritt ins Heim zählt
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Was nach dem Eintritt ins Heim zählt

Ein Mann packt den Koffer für den Heimeintritt.

Der Eintritt in ein Pflegeheim kann durch eine vertraute Zusammenarbeit vereinfacht werden. Foto Daniel Kellenberger

Der Eintritt eines Menschen mit Demenz in ein Pflegeheim ist für viele Angehörige eine emotionale Belastung. Forschende der Hochschule für Gesundheit Freiburg zeigen, warum die ersten sechs Wochen besonders wichtig sind. Vertrauen entsteht nicht zufällig – sondern durch Zusammenarbeit.

Als Ruth ihren Mann Walter ins Pflegeheim brachte, fragte sie sich nicht, welche Medikamente er erhalten würde. Sie wollte wissen, ob jemand merken würde, wenn ihn zu viel Lärm überfordert. Oder ob jemand wusste, dass er morgens zuerst Kaffee trinkt und erst danach frühstückt.

Mit solchen Sorgen sind viele Angehörige nicht allein. Genau diese Übergangsphase untersuchte die Forschungsgruppe Long-Term Care (LORE) der Hochschule für Gesundheit Freiburg (Schweiz). Im Zentrum ihrer Arbeit steht die personenzentrierte Pflege. Sie fragt nicht zuerst nach der Diagnose, sondern nach dem Menschen.

Die Forschenden gehen von einer einfachen Erkenntnis aus: Angehörige verfügen über Wissen, das in keiner Krankenakte steht. Sie kennen Gewohnheiten, Vorlieben und Lebensgeschichten. Gleichzeitig müssen Pflegende in kurzer Zeit eine vertrauensvolle Beziehung zu einer neuen Bewohnerin oder einem neuen Bewohner aufbauen.

Damit dieser Übergang gelingt, entwickelten die Forschenden einen Sechs-Wochen-Fahrplan. Bereits vor dem Eintritt beginnt der Austausch. In den ersten Wochen folgen Gespräche über Biografie, Kommunikation, Schlafgewohnheiten, Ernährung und Pflegeziele. Die Zusammenarbeit wird regelmässig überprüft und angepasst.

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Der Sechs-Wochen-Fahrplan

Vor dem Eintritt
  • Erste Kontaktaufnahme
  • Administratives
  • Den Eintritt erleichtern
In der ersten Woche
  • Eintrittsgespräch
  • Kommunikationsvereinbarung
  • Ansprechperson definieren
  • Risikoeinschätzung durchführen
  • Notfallsituationen besprechen
  • Essen und Trinken
  • Schlafgewohnheiten
  • Medikamente überprüfen
In der zweiten Woche
  • Biografie erfassen
  • Pflegeplanung besprechen
  • Pflegebedarf erfassen
  • Medikamente überprüfen
  • Ärztliche Versorgung
  • Kommunikationsvereinbarung evaluieren
In der dritten Woche
  • Update zur aktuellen Situation
  • Fragen klären
  • Kommunikationsvereinbarung evaluieren
In der vierten Woche
  • Update zur aktuellen Situation
  • Medikamente überprüfen
  • Kommunikationsvereinbarung evaluieren
In der fünften Woche
  • Individuelle Pflegeplanung festlegen
  • Update zur aktuellen Situation
  • Fragen klären
  • Kommunikationsvereinbarung evaluieren
In der sechsten Woche
  • Therapieziele besprechen
  • Medikamente überprüfen
  • Update zur aktuellen Situation
  • Fragen klären
  • Kommunikationsvereinbarung evaluieren

Die Lebensgeschichte zählt

Für viele Angehörige bringt der Heimeintritt widersprüchliche Gefühle mit sich. Einerseits entlastet er. Andererseits bleibt die Sorge. Gleichzeitig stehen Pflegende vor der Aufgabe, einen Menschen kennenzulernen, dessen Geschichte sie noch nicht kennen. Deshalb spielt die Biografie eine zentrale Rolle.

Angehörige wissen oft Dinge, die in keiner Akte stehen. Sie kennen vertraute Rituale, Lieblingslieder oder Situationen, die Angst auslösen können. Dieses Wissen hilft, Verhalten besser zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren. LORE sieht darin einen wichtigen Baustein guter Pflege. Wer die Lebensgeschichte kennt, erkennt oft auch die Gründe hinter einem Verhalten.

Vertrauen wächst Schritt für Schritt

Der Sechs-Wochen-Fahrplan macht deutlich: Vertrauen entsteht nicht in einem einzigen Gespräch. Es wächst durch regelmässigen Austausch, klare Zuständigkeiten und gegenseitigen Respekt.

Das erlebte auch Ruth. Einige Wochen nach Walters Eintritt nahm sich eine Pflegefachfrau Zeit für ein ausführliches Gespräch. Sie fragte nach seinem Leben, seinen Gewohnheiten und den Dingen, die ihm Sicherheit geben. Zum ersten Mal hatte Ruth das Gefühl, dass nicht nur ein Pflegeplan entstand, sondern ein Bild ihres Mannes.

Die Forschenden beschreiben Menschen mit Demenz, Angehörige und Pflegeteams als Teil eines gemeinsamen Systems. Gute Betreuung entsteht dort, wo Fachwissen und Lebenswissen zusammenkommen.

Vertrauen entsteht nicht am Aufnahmetag. Es wächst in den Wochen danach – Gespräch für Gespräch.

»demenzworld vermittelt Wissen, pflegt Netzwerke und schafft Raum für Austausch. Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen werden sichtbar und sprechen für sich selbst. So können wir Stigmatisierung und Tabuisierung abbauen.«

Raphael Schönborn, Geschäftsführer Promenz Wien

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