Von Heike von Lützau-Hohlbein, Präsidentin Alzheimer Europe
Die Entstehungsgeschichte der Deutschen Demenzstrategie ist lang, sie begann vor neun Jahren mit einem Schreiben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft an Kanzlerin Merkel mit der Forderung nach einer Demenzstrategie als ministeriumsübergreifende Aktion.
Es gab Zwischenschritte, es wurde die «Allianz für Menschen mit Demenz» entwickelt. Die Pflegeversicherungsgesetze wurden verbessert, besonders aus Sicht der psychisch Kranken und damit auch der Demenzkranken. Der Pflegebedürftigkeitsbegriff wurde nach langem Ringen angepasst.
Im Grossen und Ganzen ist die Nationale Demenzstrategie zu begrüssen. Aber wo bleibt der grosse «Wumms»?
Zum Vergleich: «Ich höre sozusagen wirklich den Krach», sagte die Schriftstellerin Ulrike Draesner bei der Vorstellung des milliardenschweren Konjunkturpakets durch Olaf Scholz im Juni 2020 – das hätte ich mir am 23. September auch gewünscht.
Heike von Lützau-Hohlbein
Die Informatikerin ist Kuratorin des KDA (Kuratorium Deutsche Altershilfe), Kuratoriumssprecherin der Deutschen Alzheimer Stiftung, Mitglied im Vorstand der Aktion Demenz, ehemalige Erste Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft und Präsidentin von Alzheimer Europe. Kontakt: heike.luetzau@deutsche-alzheimer-stiftung.de
Die mehr als 160 von den Gestaltungspartnern festgelegten Massnahmen sind geprägt vom Machbaren, von Ressourcen wie Finanzen und Personal. Beratung ist ganz grossgeschrieben, und in fast jeder fünften Massnahme ein Thema.
Müssen wir uns nicht fragen, warum soviel Beratung notwendig ist? Sind die Gesetze und Verordnungen zu kompliziert für den «normalen» Bürger? Noch mehr Beratung für noch mehr komplizierte Gesetze!
Nicht umsonst wird ein Abbau der Bürokratie im Pflegebereich – besonders im häusIichen – gefordert und ein Pflege- und Entlastungsbudget diskutiert.
In den Massnahmen ist viel von sollte … , wird unterstützt … , setzen sich ein … die Rede. Die Gestaltungspartner waren nicht immer diejenigen, die auch weisungsbefugt sind.
Die existierenden Demenzpläne einiger Bundesländer konnten konkreter und verpflichtender formuliert werden. Hier zeigt sich deutlich die Problematik unseres föderalen Staates. Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen sind die Leidtragenden.