Von dieser Familie habe ich viel über das Wesen der Nächstenliebe gelernt. Die Geschichte von Frieda Wittfoth ist eine von Mitmenschlichkeit und innovativem Leben in der Pflege. Als Frieda eines Tages nicht mehr allein für sich sorgen konnte, suchte ein kleiner Verein in Oberschwaben nicht etwa einen Platz in einem anonymen Heim für sie, sondern ein echtes neues Daheim in einer Gastfamilie.
Über Michael Hagedorn und »Konfetti im Kopf«
Michael Hagedorn begleitet seit vielen Jahren Menschen mit Demenz und dokumentiert ihre Lebenswelt in Bildern und Geschichten. In seinem Blog »Konfetti im Kopf« zeigt er, wie Nähe, Humor und echtes Hinsehen Verbindung schaffen. Sein Ansatz: Menschen würdevoll sichtbar machen – jenseits von Klischees.
Die drei Generationen der Familie Hymer erklärten sich bereit, die damals noch sehr zurückgezogene alte Dame wie ein Familienmitglied aufzunehmen. Schon bald schloss die Familie Frieda für immer in ihr Herz. Oma Frieda war von da an immer mittendrin im Leben.
Bei meinem ersten Besuch, als dieses für mich fast ikonenhafte Bild entstand, fütterten ihre beiden neuen »Enkelinnen« den kleinen Urenkel Linus, während sie in aller Ruhe ein Kreuzworträtsel löste — ein berührendes Bild von echter Nähe und Zugehörigkeit.
Über zehn Jahre lang besuchte ich diese Großfamilie immer wieder. Ich war erstaunt und bewegt, wie Frieda im Kreise ihrer neuen »Familie« immer mehr aufblühte. Dieses Leben in einer Gastfamilie war für sie das genaue Gegenteil von anonymen Pflegeheimen: Es war Geborgenheit, Aktivität und das Gefühl, gebraucht zu werden.