Oma Friedas neues Leben in der Gastfamilie - demenzjournal.com
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Oma Friedas neues Leben in der Gastfamilie

Frieda in ihrem neuen Zuhause mit ihrem »Urenkel« Linus. Foto Michael Hagedorn

Von dieser Familie habe ich viel über das Wesen der Nächstenliebe gelernt. Die Geschichte von Frieda Wittfoth ist eine von Mitmenschlichkeit und innovativem Leben in der Pflege. Als Frieda eines Tages nicht mehr allein für sich sorgen konnte, suchte ein kleiner Verein in Oberschwaben nicht etwa einen Platz in einem anonymen Heim für sie, sondern ein echtes neues Daheim in einer Gastfamilie.

Über Michael Hagedorn und »Konfetti im Kopf«

Michael Hagedorn begleitet seit vielen Jahren Menschen mit Demenz und dokumentiert ihre Lebenswelt in Bildern und Geschichten. In seinem Blog »Konfetti im Kopf« zeigt er, wie Nähe, Humor und echtes Hinsehen Verbindung schaffen. Sein Ansatz: Menschen würdevoll sichtbar machen – jenseits von Klischees.

Die drei Generationen der Familie Hymer erklärten sich bereit, die damals noch sehr zurückgezogene alte Dame wie ein Familienmitglied aufzunehmen. Schon bald schloss die Familie Frieda für immer in ihr Herz. Oma Frieda war von da an immer mittendrin im Leben. 

Bei meinem ersten Besuch, als dieses für mich fast ikonenhafte Bild entstand, fütterten ihre beiden neuen »Enkelinnen« den kleinen Urenkel Linus, während sie in aller Ruhe ein Kreuzworträtsel löste — ein berührendes Bild von echter Nähe und Zugehörigkeit.

Über zehn Jahre lang besuchte ich diese Großfamilie immer wieder. Ich war erstaunt und bewegt, wie Frieda im Kreise ihrer neuen »Familie« immer mehr aufblühte. Dieses Leben in einer Gastfamilie war für sie das genaue Gegenteil von anonymen Pflegeheimen: Es war Geborgenheit, Aktivität und das Gefühl, gebraucht zu werden.

Das Projekt »Leben in Gastfamilien« wurde im Landkreis Biberach modellhaft mitgetragen vom Freundeskreis Schussenried e.V. – seit 2022 bela e.V. – entwickelt und bietet psychisch erkrankten Menschen, speziell auch Menschen mit Demenz, eine wohnliche Alternative zur Heimunterbringung. Dabei leben die Betroffenen in Familien, mit denen sie nicht verwandt sind, erhalten aber eine sehr persönliche, individuelle Betreuung.

Das Konzept arbeitet nach sozialpsychiatrischen Grundprinzipien, die auf die Gemeindeintegration und personenzentrierte Versorgung ausgerichtet sind. Die Gastfamilien schaffen ein überschaubares, familiäres Umfeld, das Menschen mit Demenz Geborgenheit und stabile Bezugspersonen bietet. Zudem sorgt die familiäre Tagesstruktur und Einbindung im Alltag für Aktivierung und sozialen Anschluss.

Das Modell vermeidet institutionelle Zwänge und greift das milieutherapeutische Prinzip auf, das besonders für Menschen mit Demenz als hilfreich gilt. Die gastgebenden Familien sehen die Bedürftigkeit der Bewohner mit neutralem Blick und können so einen leichteren Zugang zu deren Fähigkeiten finden. Die Methode berücksichtigt auch die emotionale Belastung der Familien und sichert durch Begleitung und Fachunterstützung eine dauerhaft hohe Betreuungsqualität.

Diese Wohnform gilt als wertvolle und vielfach erfolgreiche Alternative zur stationären Pflege und wurde sowohl wissenschaftlich begleitet als auch finanziell vom Sozialministerium Baden-Württemberg unterstützt. Sie hat in punkto Pflegequalität, Lebensfreude und Entlastung der Angehörigen sehr positive Effekte gezeigt.

> Hier geht’s zur Website »Konfetti im Kopf«

> Hier geht’s zur Website von Michael Hagedorn

»Es braucht Orte wie die Demenz Meets, wo man sich austauschen kann. Hier ist man willkommen – man kann Freud und Leid miteinander teilen.«

Lilly Ebneter, Junge Angehörige und Yogalehrerin

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