Diese Frage ist wie kaum eine geschlechterrelevant. Männer sagen mit einer gewissen pragmatischen Grundüberzeugung: »Nö, wieso, ich bin ja auch noch da.« Frauen empfinden den Druck, den die Gesellschaft ihnen macht, also auch den, den sie sich machen, unbedingt bis zur Selbstaufgabe zu dienen und sich aufzuopfern, manchmal noch größer als die Arbeit, die dadurch von ihnen gefordert wird.
Zu Katrin Seyferts Briefkasten
Was tun, wenn die Pflege zu viel wird? Darf ich genervt sein? Und darf ich auch an mich denken? In diesem Blog beantwortet die Bestsellerautorin Katrin Seyfert Fragen aus der Community – offen, persönlich und ohne vorschnelle Antworten. Vor allem für Menschen, die Angehörige betreuen und pflegen. Hier kannst du Katrins Buch »Lückenleben« bestellen. > Zur Bestellung
»Ich würde nicht wollen, dass du mich meinen Kindern so präsentierst«, sagte mir ein guter Freund damals, als mein Mann, schwer alzheimerkrank, von Zeit zu Zeit verloren ging und wir ihn suchen mussten. Die Nachbarschaft, der Hund, der Briefträger, der Fisch und die Gräte. »Hä? Wieso das? Soll ich ihn entsorgen? Abschieben? Trennen wir Müll?«
Meine Rückfrage war genauso verständnislos wie wütend, auf den Freund, den Mann, das Geschlecht. Er aber antwortete – klug: »Woher weißt du denn, dass dein Mann in der Familie bleiben will? Woher weißt du, dass er sich wünscht, ihr arbeitet euch alle für ihn auf, sodass es noch Jahre, womöglich Jahrzehnte dauert, bis ihr euch von dieser Care-Arbeit erholt habt? Woher weißt du, dass er so in eurer Schuld stehen möchte und sich selbst nicht viel früher aus dem Verkehr gezogen hätte – könnte er.«