Margarete Vogel (90) ist seit fünfundvierzig Jahren verwitwet und lebt allein in ihrem Haus. Sie war ihr Leben lang eine pflichtbewusste, umgängliche Frau, die ihre Familie zusammenhielt. Inzwischen fällt es ihr schwer, den Alltag allein zu bewältigen. Sie vergisst Termine, verliert den Überblick bei Aufgaben und wirkt oft unsicher.
In ihrer eigenen Wahrnehmung ist jedoch alles in Ordnung. Sie erzählt stolz, sie gehe mehrmals pro Woche mit dem Fahrrad einkaufen – obwohl sie das seit Jahren nicht mehr getan hat. Sie ist mager geworden und isst zu wenig. Hilfe braucht sie nach eigener Ansicht nicht. Die Unterstützung ihrer Kinder empfindet sie als Angriff auf ihre Selbstständigkeit.
Margarete hat drei Kinder: Helmut (62), Rolf (60) und Sabine (54). Sie haben es so organisiert, dass jeden zweiten Tag eines von ihnen vorbeischaut. Lange funktionierte dieses Modell gut. Doch inzwischen reicht es nicht mehr. Körperpflege, Haushalt und Organisation überfordern Margarete – und auch ihre Kinder geraten zunehmend an ihre Grenzen.