Menschen mit Demenz erleben auch kleine Dinge intensiver, schreibt Sophie.
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Kann eine KI bei Fragen zu Demenz weiterhelfen? Die Journalistin und Podcasterin Daniela Huwyler testete unseren Chatbot Sophie. Nach anfänglicher Skepsis stellte sie fest: Sophie beantwortet Fragen zuverlässig und liefert alltagstaugliche Hinweise.
Es ist eine Diagnose, die das Leben auf den Kopf stellt und Angst auslöst: die Demenz. Die Krankheit hat viele Gesichter, sei es, dass Freunde oder Familienmitglieder daran erkranken, oder dass man selbst betroffen ist. Oft tauchen viele Fragen auf: Was tun, wie damit umgehen? Der Chatbot Sophie von demenzworld will genau hier unterstützen.
Eine KI-Maschine soll mir bei meinen Fragen rund um die Demenz helfen? Ich bin skeptisch. Gleichzeitig interessiert mich das Thema, ich habe selbst einige Fragen. Also lasse ich mich auf den Test ein.
Auf der Eingangsplattform begrüßt mich ein Elefant, eingebettet in Konfetti vor lila Hintergrund. Etwas kitschig, finde ich und sinniere kurz über das Symbol. Ein Gedächtnis wie ein Elefant? Sophie erklärt: Elefanten hätten ein langes Gedächtnis, seien sanftmütig und weise. Das lasse ich gelten.
Meine erste Frage: Ich sitze im Restaurant und warte auf meine Begleitung. Es stellt sich heraus, dass ich mich um zwei Tage vertan habe. Wie konnte das geschehen? Muss ich mir Sorgen machen?
Einmal ist keinmal
Sophie beruhigt. Und führt ausführlich aus. Wann ich mir wirklich Sorgen machen müsse, was ich konkret tun könne und welche Tipps es für den Alltag gebe. Das Fazit: Halb so wild, beobachten. Einmal ist keinmal, aber wenn sich solche Situationen wiederholen, sollte man genauer hinschauen.
Erwähnt wird auch ein Selbsttest. Dieser ist jedoch nicht verlinkt. Ich frage nach. Sophie sagt, dass es keinen solchen Test direkt bei demenzworld gibt, verweist aber auf einen Selbsttest einer Partnerorganisation in Deutschland.
Interessant finde ich dabei den sogenannten Uhrentest. Offenbar zeigt sich eine beginnende Demenz manchmal darin, dass man eine Uhr nicht mehr korrekt zeichnen kann, mit kleinem und großem Zeiger. Ich denke kurz an die jüngere Generation, die analoge Uhren oft gar nicht mehr lesen kann.
»Nach der Diagnose waren wir verzweifelt und fühlten uns allein. Das Demenz Meet war für uns der Türöffner für ein gutes Leben mit Demenz. Heute sagt mein Mann Beni: Es ist egal, wenn vieles nicht mehr geht. Dann mache ich halt die Sachen, die ich kann!«
Nächste Frage: Eine liebe Freundin von mir ist relativ jung an Demenz erkrankt. Zu Beginn haben wir noch kleinere Städtereisen gemacht, doch nun geht dies nicht mehr, und ein Gespräch ist schwierig.
Auch hier liefert Sophie zuerst eine kurze, emphatische Antwort. Danach folgen zahlreiche praktische Vorschläge. Neben Kurznachrichten und Karten schreibt sie etwa von einem Care-Paket: ein kleines Paket mit Fotos, kurzen Erinnerungen, einer vorgelesenen Geschichte auf einem Stick, einem Kuscheltier oder verschiedenen Stoffresten. Verschiedene Sinne sollen angesprochen werden.
Vorlesen statt diskutieren
Daniela Huwyler
Genauso können kurze Telefonate wohltuend sein. Nur worüber reden, frage ich. Oft legt sich ein Schweigen über unsere Gespräche, das mich hilflos macht. Sophie schlägt vor, gemeinsam ein Musikstück zu hören oder zu fragen, ob ich ihr eine Geschichte vorlesen soll.
Ein weiterer Rat lautet, Pflegemittel für die Freundin zu bestellen. Das erscheint mir dann doch sehr gewagt. Die praktische Liste geht weiter, mit Tipps, wie man fragen kann, ohne die betroffene Person in Verlegenheit zu bringen. Ich bin froh um diese konkreten Hinweise, denn ich weiß, dass unbedachte Nachfragen sich als Stolperfallen erweisen können.
Was tun, wenn dieselbe Antwort zum gefühlt x‑ten Mal kommt? Sophie rät: übergehen, ablenken, von eigenen Erinnerungen erzählen, gemeinsam etwas Einfaches tun, einen Kuchen backen, eine Karte verzieren, etwas gestalten. Sophie weiß auch Rat, wie mit dem Partner oder der Partnerin umzugehen ist, die nun zur wichtigsten Bezugsperson wird.
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Neue Frage: Ist Demenz vermeidbar? Welche Rolle spielt die Genetik?
Der Chatbot Sophie antwortet schnell mit klaren Fakten. Das Risiko, mit 65 Jahren an Demenz zu erkranken, liege bei 1 bis 2 Prozent. Mit 85 Jahren steige es auf 20 bis 30 Prozent. Wenn ein Elternteil betroffen ist, erhöht sich das Risiko mit 65 Jahren auf etwa 2 bis 4 Prozent – also nicht dramatisch.
Verschiedene Verwaltungsmaßnahmen werden nun aufgelistet, um das Risiko zu verringern: Neues lernen, Bewegung, mediterrane Ernährung, guter Schlaf (kein Handy am Bett), soziale Kontakte. Gewarnt wird jedoch davor, dauernd Sudokus zu lösen oder mit angepriesenen Demenz-Apps zu arbeiten.
Macht eine Demenz unglücklich?
Ich lasse mich zu einer letzten Frage hinreißen: Sind Menschen mit Demenz glücklicher oder unglücklicher?
Sophies Antwort ist differenziert. Das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, löst Ängste aus. Dann zeichnet Sophie ein Bild von einer Perfektionistin, die selbstvergessen in einem Blumenfeld steht und summend Blumen pflückt. Das gefällt mir.
Mein Fazit: Natürlich, Sophie ist keine Ärztin und ersetzt keine Beratung vor Ort. Als praktische Anlaufstelle für erste Fragen bietet der Chatbot jedoch viele alltagstaugliche Hinweise. Vielleicht manchmal etwas ausführlich oder mit Vorschlägen, die gut gemeint sind, aber nicht ganz passen. Doch wer sich im Dschungel der Demenzfragen orientieren möchte, ist vielleicht froh um den sanftmütigen, weisen Elefanten.
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