Von Dimitrij Rudmann, Manuel Stark
Mit elf Jahren bin ich nach Deutschland gekommen, aufgewachsen bin ich in Russland. Ich kam durch bis zum Abitur und habe ein Physikstudium begonnen. Das hat nicht zu mir gepasst und auch privat ging es mir schlecht, aber ich hatte niemanden, mit dem ich ehrlich hätte reden können.
Also habe ich mich in Hannover für den Studiengang Fotojournalismus beworben. Auch dieses Studium habe ich später abgebrochen – heute arbeite ich im öffentlichen Dienst – aber durch die Aufnahmeprüfung habe ich Axel kennengelernt. Das Thema war: Plagiat.
Durch Plagiat kam ich auf Doubles, auf Doppelgänger, und Axel war Charlie Chaplin-Darsteller. Schon beim ersten Treffen bin ich den halben Tag lang bei ihm geblieben.
Fotopreis »Demenz neu sehen«
Das Leben mit Demenz aus einer neuen Perspektive wahrnehmen: Dazu veranstaltete der Münchner Verein Desideria 2024 zum zweiten Mal den Fotowettbewerb »Demenz neu sehen«. 78 Fotograf:innen haben besondere Augenblicke eingefangen. Diese Artikelreihe beleuchtet die Gewinner:innen der vier Kategorien Profi, Amateur, Nachwuchs und Sonderpreis.
📸 Infos zum Fotopreis
Axel war Heimzögling, das ist nicht dasselbe wie ein Migrantenkind zu sein, aber beides war mit einem gewissen Mangel verbunden. Vielleicht habe ich mich deshalb von ihm so verstanden gefühlt, auch ohne viel erzählen zu müssen. 2018 sind Axel und ich zusammengezogen.
Nach wenigen Wochen gab es erste Gerüchte: Da gäbe es so ein merkwürdiges Paar.
Sätze, die so ein Unerwünscht-Gefühl auslösen. Und Axel ist so ein feuriger Typ, dem war das sowieso zu eng, er passte da nicht rein. Wir sind aus ähnlichen Gründen einige Male umgezogen, aber von da an immer gemeinsam.
Dann kam die Demenz. Mal hat er sein Portemonnaie vergessen. Dann ist er ohne Schlüssel nach draußen. Bis er sich sogar in der Wohnung nur noch schlecht zurechtgefunden hat. Ich habe ihn angezogen und ihm gezeigt, wo die Toilette ist.