Mit 300 km/h braust der TGV Richtung Schweiz. Ich habe viel mehr Gepäck dabei als auf dem Hinweg. Nicht, dass ich in der kulinarischen Hauptstadt Frankreichs viele Delikatessen eingekauft hätte. Die Kalbshaxe und der Burgunder vom Vorabend liegen zwar noch auf. Es sind aber ganz andere Dinge, die für mehr Gewicht sorgen: Es sind Beziehungen, die ich von Lyon mit nach Hause nehme.

Da ist zum Beispiel Bill Yeates. Der Australier sorgte zum Auftakt des dreitägigen Kongresses für Gänsehaut. Er berichtete vom Loch, in das er 2019 nach der Diagnose Alzheimer gefallen war. Von schlaflosen Nächten mit vielen Tränen und noch mehr Alkohol. Es war vorwiegend sein Zwillingsbruder, der in dieser Zeit für ihn da war und in ihm neuen Lebensmut erweckte. Yeates zeigte, wie er sein Leben umgekrempelt und sich neu ausgerichtet hat. Nach einem persönlichen Gespräch vereinbarten wir, in Kontakt zu bleiben. Er hat vor, uns dabei zu unterstützen, neue Hilfsangebote für Menschen nach der Demenzdiagnose zu entwickeln.
Der schottische Weg ist personenzentriert
Austauschen will ich mich auch mit Helen Skinner. Sie hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen in Schottland bessere Unterstützung bekommen als in anderen Ländern. Der schottische Weg ist personenzentriert: Er stellt die Stärken der Betroffenen in den Mittelpunkt, wahrt ihre Rechte und ermöglicht ihnen ein eigenständiges Leben. Die Strategie zielt auf gerechten Zugang zu Diagnose, Behandlung, Betreuung und Unterstützung – durch den ganzen Verlauf der Krankheit. Insgesamt gibt der schottische Staat jährlich über zwei Milliarden Pfund für Betreuung und Unterstützung aus.

